Kann dir jemals jemand beibringen, was dir am nächsten ist?
Was passiert wenn wir uns erlauben statt zu verbiegen?
Ich tauche gerade auf aus meiner morgendlichen Yoga-Praxis und bin heute sehr ins Spielen eingetaucht. Ins Erkunden, Ausprobieren, Wackeln, Hinfallen. Bewegungen aneinanderreihen, die keinem Schema folgen. Einfach schauen: Was macht der Körper - ah! Wow. Wie bin ich denn jetzt hier gelandet? Ich bin völlig versunken und hatte unglaublichen Spaß.
Gibt es etwas in deinem Leben, dass dich so eintauchen - dich dich so erlauben lässt?
Fühlt sich Yoga für dich so an?
Ich dachte lange, dass das beim Yoga jedem so geht, aber dann ist mir ist aufgefallen, dass genau das bei den meisten Menschen verloren gegangen ist. Erschreckenderweise oft sogar durch Yoga oder andere spirituelle Praktiken.
Warum glaubst du ist das so? Funktioniert Yoga nicht? Ist es kaputt? Oder müssen wir uns einfach noch mehr anstrengen?
Was ich viel erlebe: Yoga wird so unterrichtet und daher auch praktiziert, dass es einen eher vom Moment, vom Sein abhält. Wir haben Yoga zu einer Disziplin gemacht, zu einem To-do, einem Zustand nach dem wir streben. Wir sprechen davon Masken abzulegen, aber ziehen dabei meistens einfach eine neue auf im Versuch jemand anders zu werden - besser, weiter, bewusster, weiser, spiritueller. Wir folgen einem neuen Bild davon, wer wir sein wollen oder wer wir glauben sein zu müssen, statt zu entdecken, was da ist und dem wirklich freien Lauf zu lassen.
Und genau das ist dieser Punkt, der schwer zu vermitteln ist, aber diese Herausforderung nehme ich an.
Ich glaube eines der Probleme steckt in den Worten YogaLEHRER:IN und Yoga UNTERRICHTEN. Da springen sofort alte Bilder auf: wie in der Schule. Jemand der da vorne steht, uns etwas beibringt, der uns Wissen vermittelt, Anleitungen gibt und uns dann prüft, abfragt, benotet.
Darauf hat keiner mehr Bock. Aber es ist das was wir kennen und wieder und wieder kreieren.
Wenn du hier bist, hast du auch Lust diesen Kreislauf zu beenden, diese Art von Lernen hinter uns lassen, die uns versucht etwas näher zu bringen, was im Grunde viel näher an uns ist, als an dem der es uns beibringen will. So wie ich Yoga erlebe, geht es darum das freizulegen was immer schon da war und das wieder zu erlauben. Denn unser Körper, unsere Intuition, unser Gefühl, all das gehört uns. Wir können es entdecken. Wir können es erfahren, wir können es hervorrufen. Niemand anders kann jemals in diesem Körper hineinschauen, empfinden was du empfindest, niemand anders kann dir jemals sagen, was wirklich für dich gut ist. Das kann ich dir wirklich nicht beibringen.
Was ich tun kann ist dir Möglichkeiten zu bieten, Dinge auszuprobieren, etwas Neues zu erfahren. Eine andere Perspektive anzubieten, Erfahrungen und Wissen zu teilen, dass du für dich selbst ausprobierst und prüfst was für dich funktioniert.
Es geht immer darum, die eigene innere Autorität zu fühlen, dieser zu vertrauen und nicht zu sehr darauf zu achten: Was sagen alle anderen. Was muss ich jetzt tun? Was darf ich mir erlauben? Wie muss ich mich entscheiden, damit ich nicht anecke?
Sondern: was will mein tiefstes Inneres hervorbringen?
Die Einheit, die Yoga beschreibt, ist schon da, du musst sie nicht machen. Und du kannst sie nicht erreichen, in dem du etwas tust, fühlst, sagst was ein anderer macht. Diese Einheit entsteht nicht erst, wenn wir im Außen weiter nach etwas suchen - im Gegenteil, wir entfernen uns weiter.
Und ich glaube, wir fühlen das alle. Wir fühlen, dass das so nicht geht. Der einzige Weg, den ich kenne: immer wieder sich selbst vertrauen. Sich daran erinnern lassen. Meinungen und Wissen aufnehmen, davon inspiriert werden — und dann ehrlich fragen: Was macht das mit mir? Passt das für mich? Ohne es einfach zu übernehmen.
Das ist, was ich immer wieder erinnern möchte: Zu fühlen, dir selber zu vertrauen, dem Freigeist in dir zu vertrauen.
Das ist was wir üben in Full Feeling. Weniger lernen, mehr fühlen.