Wie es ist und wie es sein sollte…

Es sollte leicht sein, oder?

Wie oft hast du das Gefühl, dass nichts in deinem Leben so läuft, wie es sein sollte? Die Beziehung, der Job, ja selbst die Freizeit. Ständig passieren unvorhersehbare Dinge. Und irgendwie schleicht sich der Gedanke ein nicht so richtig glücklich zu sein, obwohl ja eigentlich alles gut ist. Das ständige Gefühl, als würde da noch etwas Besseres warten.​
Denn wenn es gut wäre, wäre es leichter! Oder?
​
JA!
​
Aber was macht es GUT?
​
Wenn ich an „es ist gut, richtig gut“ denke, ist es der Zustand von Flow: Die Zeit löst sich auf. Wahrnehmen und Tun werden eins. Und die innere Stimme, die sonst ständig kommentiert und bewertet, verstummt. Flow ist der Moment, in dem wir fließen mit dem was ist. Wenn da kein Widerstand gegen das ist, was war. Wenn da keine Vorstellung davon ist, wie etwas sein sollte.
Wenn wir voll und ganz präsent sind.

Meistens passiert uns Flow. Beim Tanzen, in einem guten Gespräch, das plötzlich drei Stunden gedauert hat, im Garten mit dreckigen Händen. Mich interessierte schon im Studium die Frage, ob man ihn einladen kann. Und heute weiß ich: JA. Es ist eine Lebenseinstellung und bedarf einer Zutat, mit der viele von uns fremdeln.

Hingabe.

In der yogischen Lebensart wird diese Tugend als eines der Niyamas genannt: Pranidhana oder Ishvara Pranidhana, was so viel bedeutet wie Sich-Hingeben (Pranidhana) an eine höhere Quelle (Ishvara).
Und schon zucken viele zusammen, weil wir „Hingabe“ in unserem Kulturkreis oft mit Unterwerfung verwechseln. Bei manchen von uns klingt da die Vorstellung einer externen Autorität mit, vor der ich mich klein mache. Oder nach dieser Art von Dedication, bei der man sich für eine Sache, eine Praxis, einen Menschen aufopfert.
​
Das ist nicht die Hingabe von der ich hier spreche - im Gegenteil, es könnte ferner nicht sein. Hingabe beginnt für mich viel schlichter: Ich bin da, mit dem, was gerade ist. Ich nehme an, was das Leben mir heute gibt und wie ich darauf antworte ist meine Gabe. Tu ich das voller Hingabe, dann ist das was ich dabei opfere nicht mich selbst, sondern alle Vorstellungen, Vorstellungen davon, wie die Dinge zu sein haben. Bilder davon, wer ich bin. Alte Erfahrungen, die mir sagen, das kannst du nicht, das hast du anders gelernt.
Kurz: Ich steh mir nicht selber im Weg, lenke mich nicht ab und vermeide das Leben nicht. Denn es geht letzten Endes nicht um „mich“.

Ja, es verlangt, einiges abzulegen. Aber nicht an irgendeine externe Instanz.
​
Kannst du den Unterschied fühlen?

Das Größere, von dem ich spreche, steht nicht außerhalb von uns. Wir sind ein Teil davon. Manche nennen es das Göttliche, andere die große Mutter oder den großen Vater, das Heilige, die innere Quelle, das Universum, die innere Stimme.
Ich lade dich ein, deine eigene Sprache dafür zu finden. Und dann ehrlich hinzuspüren: Kann ich mich diesem Inneren voller Vertrauen hingeben? Oder sträube ich mich irgendwo dagegen?

Gerade jetzt, wo so viel auf der Welt geschieht, finde ich diese Frage nicht esoterisch, sondern sehr praktisch. Ich bin mit all dem verbunden, ob ich will oder nicht. Die Frage ist nur, ob ich mich dagegenstemme oder ob ich schaue, welcher Platz in diesem großen Gefüge meiner ist. Und ihn dann einnehme. Mit der Frage: Was will durch mein Gefäß in die Welt?

Dazu gehört Hören und Handeln. Empfangen und geben. Annehmen und loslassen - wie ein Musiker, der im Flow seines Spiels ganz da ist, sich doch selbst vergisst und dabei nichts vermisst. Ein Musiker kann seinen Ton nicht festhalten, er muss ihn loslassen, hergeben, ziehen lassen, ihn zurück in die Stille entschwinden lassen aus der er entstanden ist.

Hingabe ist kein Kapitulieren und auch keine Selbstaufgabe.
Hingabe heißt, mit dem Fluss zu gehen, statt sich mit aller Vorstellungskraft gegen ihn zu stellen. Statt sich auszumalen, wie es anders sein sollte und wie das kleine Ego es manifestieren wollte ;)

Es ist eine Offenheit dem Leben gegenüber, die nicht an Bedingungen geknüpft ist. Und die unser Herz offen hält, auch wenn es gerade unbequem wird.

Und wie alles im Leben kannst du das üben. ​
​
Lass uns gemeinsam üben und die Geheimzutat des Flows in all seinen Facetten erkunden.

Den ganzen Oktober widmen wir in Full Feeling diesem Thema:

Zurück
Zurück

Kann dir jemals jemand beibringen, was dir am nächsten ist?​

Weiter
Weiter

Viel zu viel und doch nie genug